Macht bessere Bezahlung Kommunalpolitik attraktiver?
In vielen Städten und Gemeinden mangelt es an Nachwuchs für die Kommunalpolitik. Könnten höhere Amtsbezüge diesen Trend umkehren? Ein IZA Discussion Paper der Ökonomen Augusto Cerqua, Samuel Nocito und Gabriele Pinto geht dieser Frage nach. Als Untersuchungsobjekt dient eine italienische Reform aus dem Jahr 2021, die je nach Gemeindegröße zu Gehaltserhöhungen für Bürgermeister von 33 bis 59 Prozent führte. Um die Effekte zu isolieren, verglichen die Autoren Kommunalwahlen kurz vor und nach dem Stichtag.
Mehr Neueinsteiger und Frauen im Rennen
Über alle Kommunen hinweg stieg die Gesamtzahl der Bewerbungen durch das höhere Gehalt zwar nicht spürbar an. Das Bild ändert sich jedoch dort, wo die Einstiegshürden niedriger lagen:
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Offene Wahlen: Durfte der amtierende Bürgermeister nicht erneut antreten, lockten die höheren Bezüge deutlich mehr Bewerber an – vor allem Neueinsteiger.
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Bisher schwacher Wettbewerb: In Gemeinden, die in der vorherigen Wahl höchstens zwei Kandidaten hatten, stieg das Interesse ebenfalls messbar.
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Höhere Frauenquote: Unter diesen Rahmenbedingungen stieg nicht nur die Zahl der weiblichen Kandidaten, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende eine Frau ins Rathaus einzog.
Mehr Bewerber bedeuten nicht automatisch bessere Qualifikationen
Ein breiteres Bewerberfeld führte jedoch nicht zwangsläufig zu formal höher qualifizierten Mandatsträgern. Die Befunde fielen regional unterschiedlich aus: In wirtschaftlich schwächeren Kommunen erhöhte die Reform zwar den Anteil von höheren Angestellten im Gemeindevorstand. Gleichzeitig sank jedoch das durchschnittliche Bildungsniveau unter den gewählten Stadträten.
Finanzielle Anreize können also den Pool derjenigen vergrößern, die sich ein politisches Amt vorstellen können – insbesondere in Regionen mit begrenzten Alternativen auf dem privaten Arbeitsmarkt. Wer mehr Menschen zum Mitmachen bewegt, gewinnt dadurch aber nicht automatisch die am besten Qualifizierten.
Parallelen zur deutschen Debatte
Auch in Deutschland steht die Kommunalpolitik unter großem Druck: Der Deutsche Städtetag und die kommunalen Spitzenverbände schlagen regelmäßig Alarm, weil immer mehr Ehrenamtliche und Hauptamtliche wegen Überlastung, Streitkultur und Anfeindungen ihr Mandat niederlegen oder gar nicht erst kandidieren. Anders als in Italien, wo Bürgermeister hauptamtlich und oft direkt gewählt werden, stützt sich das deutsche System in kleinen und mittleren Gemeinden stark auf Ehrenamtliche, die meist nur eine Aufwandsentschädigung erhalten.
Die italienischen Studienergebnisse liefern daher auch für die hiesige Diskussion wertvolle Denkanstöße: Höhere Aufwandsentschädigungen oder eine Professionalisierung ehrenamtlicher Posten könnten helfen, die Kandidatenauswahl zu verbreitern und Frauen sowie jüngere Menschen zu gewinnen – das Qualitätsproblem löst das Geld allein jedoch nicht.
Blick auf die Praxis steht noch aus
Die Untersuchung beschränkt sich zudem rein auf den politischen Einstieg. Ob die bessere Bezahlung am Ende auch zu fundierteren Entscheidungen, effizienterer Verwaltung oder mehr Rechenschaftspflicht im Ratsalltag führt, müssen künftige Analysen zeigen.
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