Politische Schocks durch Wahlen können Mütter stressen - auch ihre Babys?
Ein hochgradig spaltendes politisches Ereignis ruft intensive Emotionen hervor – doch wirkt sich dieser Stress auf ungeborene Kinder aus? Ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Ezra Golberstein, Daniel Guth und David Slusky zeigt anhand der US-Präsidentschaftswahl 2016: Trotz spürbarer Verhaltensänderungen bei Müttern blieb die gesundheitliche Verfassung von Neugeborenen unverändert.
Politische Ausrichtung und Geburtsregister verknüpft
Die Forscher verknüpften Wählerverzeichnisse im Bundesstaat Colorado mit über 600.000 Geburtsurkunden (2008–2017). Dieser innovative Ansatz auf Basis administrativer Daten schließt die bei Umfragen häufig auftretenden Verzerrungen durch Selbstauskünfte aus. Analysiert wurden sowohl etablierte Säuglingsgesundheitsindikatoren (Geburtsgewicht, Frühgeburten, Apgar-Score) als auch das mütterliche Verhalten während der Schwangerschaft (Rauchen, Alkoholkonsum, Vorsorge).
Verhaltensänderungen, aber stabile Neugeborenen-Gesundheit
Trotz des polarisierten Charakters der Wahl fanden sich keine Belege für verbesserte oder verschlechterte Geburtsergebnisse bei Müttern irgendeiner politischen Ausrichtung. Auch weitere Analysen zu bestimmten Bevölkerungsgruppen oder Wohnvierteln ergaben keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Allerdings zeigten sich bei registrierten Demokratinnen emotionale Stressreaktionen: Bei ihnen stiegen Rauchen und Alkoholkonsum nach der Wahl an. Zwar führten diese Verhaltensänderungen zu keinen messbaren Unterschieden bei der Geburt, sie könnten jedoch langfristige Entwicklungsfolgen für die Kinder haben.
Politischer Stress und Gesundheit
Große politische Ereignisse können das Wohlbefinden und Gesundheitsverhalten von Schwangeren beeinflussen, schlagen sich in diesem Rahmen jedoch nicht in der anfänglichen Säuglingsgesundheit nieder. Die Autoren betonen, dass subtilere Effekte oder Stressfolgen womöglich erst später in der Kindheit zutage treten und dafür größere Datensätze nötig sind.
Unabhängig vom Ergebnis leistet die Studie einen wichtigen methodischen Beitrag zur Forschung über den Zusammenhang zwischen Politik und Gesundheit – ein Zusammenhang, der angesichts zunehmender politischer Polarisierung noch an Bedeutung gewinnen könnte.
Lesen Sie die englischsprachige Studie hier im Volltext.
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