Die Post-Corona-Formel: Hybrides Arbeiten steigert die Unternehmensleistung
Hybrides Arbeiten zählt zu den nachhaltigsten Veränderungen der Arbeitswelt durch die Covid-19-Pandemie. Während sich viele Unternehmen mittlerweile auf ein Modell von etwa zwei Tagen Homeoffice pro Woche eingependelt haben, bleibt dessen Auswirkung auf die Produktivität umstritten. Ein aktuelles IZA Discussion Paper liefert nun neue Evidenz aus Frankreich, die nahelegt, dass das Festhalten an hybrider Telearbeit zu spürbaren Produktivitätsgewinnen führt.
Wie sich der Effekt von Homeoffice messen lässt
In der Studie Post-Covid Telework and Productivity: A Large-Scale Analysis (IZA DP No. 18655) werten die Ökonomen Philippe Askenazy, Ugo Di Nallo und Ismaël Ramajo Befragungen von Arbeitgebern in Kombination mit umfangreichen administrativen Daten französischer Unternehmen verschiedener Branchen aus – mit Ausnahme der Landwirtschaft sowie des Finanz- und Immobiliensektors. Untersucht wurde, ob Firmen, die auch nach dem Abflauen der letzten großen Pandemiewelle an der Telearbeit festhielten, im Zeitraum von 2019 bis 2022/23 ein stärkere Produktivitätswachstum verzeichnen konnten.
Die Ergebnisse zeigen einen eindeutigen positiven Zusammenhang: Unternehmen, die weiterhin auf hybrides Arbeiten setzten, schnitten deutlich besser ab als jene, die wieder vollständig zur Präsenzarbeit zurückkehrten.
Ursache und Wirkung getrennt betrachtet
Um nachzuweisen, dass das Homeoffice tatsächlich die Ursache für diese Zuwächse war (und nicht bloß eine Begleiterscheinung), nutzte das Forschungsteam die Raumorganisation der Unternehmen vor der Pandemie als natürliches Experiment. Betriebe, die schon damals Büroflächen getrennt von ihren Produktions- oder Verkaufsstätten angemietet hatten, waren technisch und organisatorisch besser auf Telearbeit vorbereitet. Zudem hatten sie stärkere Anreize, das Modell beizubehalten, um teure Büroflächen einzusparen.
Die Daten bestätigen, dass solche Unternehmen nach der Pandemie signifikant mehr Telearbeit ermöglichten. Dies liefert den statistischen Nachweis für einen kausalen Effekt auf die Produktivität: Ein Anstieg des Teleworker-Anteils um 10 Prozentpunkte geht mit einem um rund 2,7 Prozentpunkte höheren Produktivitätswachstum einher.
Effizienzgewinne durch moderne Führung statt bloßer Einsparungen
Interessant ist auch, woher dieser Zuwachs rührt: Zwar passten die telearbeitenden Unternehmen ihre Büroflächen und IT-Ausstattung an, doch diese materiellen Einsparungen fielen eher moderat aus. Die eigentlichen Produktivitätsschübe scheinen primär aus tiefgreifenderen organisatorischen Anpassungen zu resultieren, die mit dem hybriden Arbeiten einhergehen.
Impulse für die Zukunft der Arbeitswelt
Die Untersuchung bereichert die Debatte über die langfristigen Folgen der Remote-Arbeit um entscheidende empirische Fakten. Sie verdeutlicht, dass die Vorteile hybrider Modelle weit über eingesparte Pendelzeiten oder geringere Mietkosten hinausgehen. Vielmehr liegen die Ursachen in einer moderneren Arbeitsorganisation und Führung – was das hybride Arbeiten zu einem dauerhaften Produktivitätstreiber der Post-Corona-Ökonomie macht.
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