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Europas Bankenkrise: Ein Aufruf zum Handeln
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Dies ist eine Krise, wie sie im Leben nur einmal vorkommt. Das Vertrauen zwischen den Finanzinstituten schwindet und Angst breitet sich aus. Die Erfahrungen in den USA in der vergangenen Woche zeigen, dass es nicht funktioniert, eine Bank nach der anderen zu retten. Wir brauchen einen das ganze System umfassenden Ansatz und in Europa bedeutet dies eine Initiative zur Rekapitalisierung des Bankensektors unter der Federführung der EU. Wenn sich die führenden Kräfte in Europa nicht umgehend und direkt gemeinsam um diese Krise kümmern bevor sie außer Kontrolle gerät, werden sie in Zukunft wohl eher darüber streiten, wie sie mit den Folgen fertig werden. |
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Europa befindet sich mitten in einer Krise, wie sie wohl nur einmal im Leben vorkommt. Jeder Europäer weiß was passierte, als die Finanzmärkte in den dunklen 30er Jahren zusammenbrachen. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dies noch einmal passieren könnte, wenn die Regierungen nicht handeln. Wir behaupten nicht, dass es passieren wird, aber man muss sich bewusst sein, was auf dem Spiel steht.
Das Vertrauen zwischen den Finanzinstituten schwindet und es besteht das Risiko, dass die Angst sich weiter verbreitet. Den Turbulenzen auf den Finanzmärkten muss Einhalt geboten werden, bevor der Realwirtschaft größerer Schaden entsteht. Die Spareinlagen Hunderter Millionen Europäer sind direkt bedroht. Wenn die Turbulenzen die Finanzmärkte lähmen, werden Arbeitsplätze und Unternehmen in großem Umfang zerstört. Eine weitere Schwächung der Realwirtschaft würde noch mehr Kredite gefährden und so einen Teufelskreis aus sinkenden Vermögenswerten, steigenden Kreditausfällen und abnehmender Kreditvergabe erzeugen.
Die Maßnahmen der politischen Entscheidungsträger in den USA sind zwar willkommen, reichen jedoch nicht aus. Auch Europa muss entschlossen handeln.
Politische Nachwirkungen: Die nationalen Maßnahmen müssen durch Maßnahmen auf europäischer Ebene ergänzt und koordiniert werden
Die Regulierungsbehörden in den USA haben in der vergangenen Woche erfahren, dass es nicht funktioniert, eine Bank nach der anderen zu retten. Eine das ganze System umfassende Krise erfordert auch das ganze System umfassende Maßnahmen.
In Europa bedeutet die Rettung einer Bank nach der anderen entweder einen Rettungsversuch seitens einer einzelnen Nation trotz wesentlicher Nebenwirkungen für die angrenzenden Länder oder in letzter Minute improvisierte Koordinationsmaßnahmen und Vereinbarungen darüber, wie die Belastung der öffentlichen Finanzen aufzuteilen ist. Zwar waren die bisherigen nationalen Maßnahmen und Ad-hoc-Kooperationen sinnvoll. Die gegenseitige Abhängigkeit der europäischen Banken ist jedoch zu groß und zu weit verbreitet, als dass nationale Maßnahmen oder Koordinationsanstrengungen im Einzelfall ausreichen würden. Jede nationale politische Intervention und jede gemeinsame Intervention von nur wenigen Ländern kann für die anderen europäischen Nationen unvorhersehbare Folgen haben. Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass sich die nationalen Regulierungsbehörden an einen Tisch setzen und ihre Maßnahmen koordinieren und - wo dies erforderlich ist - europaweite Lösungen entwickeln.
Jetzt, solange die Situation noch beherrschbar ist, muss gehandelt werden. Die Ereignisse der vergangenen Woche in den USA zeigen, dass Finanzkrisen nicht sanft und vorhersehbar auftreten. Ein unerwartetes Ereignis kann eine ganze Reihe von Ausfällen und Panikhandlungen auslösen, die Schritt für Schritt immer schwieriger zu kontrollieren sind.
Lösungen
Die Lösung wird sich aus vielen einzelnen Teillösungen zusammensetzen. In den USA ist es zur Bekämpfung der aktuellen Krise erforderlich, die Liquidität der Geld- und Finanzmärkte wiederherzustellen und die Bedingungen für die Wiederaufnahme der Verbriefung erstklassiger Hypotheken und anderer illiquider aber hinreichend homogener und transparenter Kapitalanlagen zu schaffen. In Europa ist das Hauptproblem die Höhe des Fremdkapitals bei den international tätigen Großbanken. Daher muss sich der Beitrag der EU auf die Rekapitalisierung des Bankensektors konzentrieren und zwar durch Bereitstellung öffentlichen Kapitals oder durch eine vorgeschriebene Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital. Dies muss auf EU-Ebene (z. B. durch die Europäische Investitionsbank) geschehen. Der aktuelle Ansatz zur Rettung einer Bank nach der anderen durch nationale Mittel wird zu einer Balkanisierung des europäischen Bankensektors führen. Es wäre auch wichtig, einen harmonisierten Ansatz für die Einlagenversicherung zu vereinbaren.
Um künftige Krisen dieser Art zu verhindern, wird auch eine Regulierung der europäischen Finanzmärkte und -institutionen auf europäischer Ebene erforderlich sein.
Das Problem besteht nicht darin, dass das Wissen, wie eine solche Finanzkrise zu stoppen ist, fehlt, sondern der politische Wille.
Wenn sich die führenden Kräfte in Europa nicht umgehend und direkt gemeinsam um diese Krise kümmern bevor sie außer Kontrolle gerät, werden sie in Zukunft wohl eher darüber streiten, wie sie mit den Folgen fertig werden.
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Alberto Alesina (Harvard, Cambridge US), Richard Baldwin (Graduate Institute, Geneva), Tito Boeri (Bocconi, Milan), Willem Buiter (LSE, London), Francesco Giavazzi (Bocconi, Milan), Daniel Gros (CEPS, Brussels), Stefano Micossi (Assonime, Rome), Guido Tabellini (Bocconi, Milan), Charles Wyplosz (Graduate Institute, Geneva), Klaus F. Zimmermann (DIW Berlin und IZA Bonn).
2. Oktober 2008 |
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